Auszuchtprogramm

Wie bei fast allen Hunderassen ist durch jahrzehntelange Reinzucht auch beim Spitz von einer erhöhten Homozygotie auszugehen. Davon besonders betroffen ist der Großspitz, dessen Population bis vor ein paar Jahren nur noch aus wenigen Tieren bestand, welche zudem untereinander eng verwandt waren.

Ein hoher Inzuchtgrad (Anteil der Genorte welche homozygot besetzt sind) bringt nicht nur ein erhöhtes Risiko für Defektgene mit sich, sondern führt primär auch zu einer Fitnessminderung, die sich in vielerlei Aspekten zeigt. Die Fruchtbarkeit sinkt, die Lebenszeit verkürzt sich, Gesundheit und Widerstandsfähigkeit nehmen ab, und vor allem verliert der Organismus seine Anpassungsfähigkeit an wechselnde und belastende Umwelteinflüsse. Folglich nehmen Autoimmunerkrankungen, Allergien und Krebserkrankungen zu.

Diese negativen Folgen erhöhter Homozygotie können durch Auszucht behoben werden. Wobei Auszucht mit Tieren der gleichen Rasse nur Sinn macht, wenn diese nicht schon miteinander verwandt sind.

Leider ist die Zuchtbasis des Großspitz noch immer bedenklich klein, d.h. die Population verfügt nicht mehr über genügend Zuchttiere, um die Rasse mit geringer Inzucht zu erhalten und zu verhindern, dass der Genpool sich immer weiter leert. Ein Auszuchtprogramm innerhalb der Rasse ist demnach nicht möglich.

Um eine drohende Inzucht-Depression mit all ihren negativen Folgen für die Hunde und ihre Besitzer zu vermeiden, bleibt nur der Weg über ein gezieltes Programm zur Einkreuzung einer in Aussehen und Wesen dem Spitz ähnlichen Fremdrasse.


Für eine solche Fremdeinkreuzung erscheint der Finnische oder Schwedische Lapphund aufgrund seiner phänotypischen Ähnlichkeit, den ähnlichen Verhältnissen in Größe und Gewicht, einem geringen Jagdtrieb, seinem ausgeglichenen und wesensfesten Charakter, seiner Langlebigkeit und niedrigen Inzucht als die am besten geeignete Rasse für ein solches Auszucht-Programm mit dem Deutschen Großspitz.

Vermutlich haben auch schon früher derartige Fremdeinkreuzungen stattgefunden (Weißer Schäferhund X Weißer Großspitz), mangels eines offiziellen Programmes aber im Geheimen und ohne dass die tatsächlichen Verwandtschaftsverhältnisse dokumentiert wurden. Solche Praktiken sind abzulehnen, da sich daraus in der Folge aus Unwissenheit Inzucht-Verpaarungen ergeben oder auch unerwünschte Merkmale auftreten können.

Durch ähnliche Vorgehensweisen sind auch schon andere Hunderassen teilweise sehr erfolgreich vor züchterischen Irrwegen bewahrt worden, so der Retro-Mops (Mops x Parson Jack Russel Terrier) und eine Linie von LUA-freien Dalmatinern (Dalmatiner x Pointer).

Die Zuchtstrategie der Auskreuzung (Outcross) darf nicht mit der einfachen Paarung nicht oder kaum verwandter Tiere (Merkmalszucht) verwechselt werden.

Outcross ist ein wichtiges Instrument der Linienzucht und findet nur statt zwischen einer liniengezüchteten Hündin und einem genetisch fremden, selbst aber liniengezüchteten Rüden. Daraus kann man einen neuen Impuls für die eigene Zucht gewinnen.

Die Auskreuzungspaarungen bringen oft sehr schöne und besonders typische und gesunde Nachkommen (Heterosiseffekt). Diese Nachkommen sind voraussichtlich keine besonders starken Vererber, da sie einen sehr hohen, weit über dem Rassedurchschnitt liegenden Anteil an heterozygoten Genen besitzen, sie können jedoch zur Auffrischung der beiden Elterntiere, also zur Rückkreuzung in eine der beiden Ursprungslinien zurück, sehr gut geeignet sein.

                                                     Claudia Götting

 


Die Züchterversammlung des VSNH e.V. hat im April 2017 ihre Zustimmung für ein solches Auszuchtprogramm erteilt,
das 2018 umgesetzt werden soll. Im einzelnen soll das Programm folgendermaßen ablaufen:

Zuchtprogramm für Verpaarung von Großspitzen mit Finnischen/Schwedischen Lapphunden

1.) Verpaarungen von Großspitzen mit Finnischen und Schwedischen Lapphunden werden auf Antrag vom Hauptzuchtwart grundsätzlich genehmigt, solange keine gesundheitlichen oder andere gravierende Probleme zu erwarten sind. Eine Ablehnung muss dem Antragsteller schriftlich begründet werden.

Da die Frühsozialisierung durch die Mutter die rassetypischen Merkmalsausprägungen beeinflussen und gewährleistet werden sollte, dass alle maternalen Einflüsse sowohl auf genetischer als auch epigenetischer Ebene dem Großspitz entsprechen, sollte die Einkreuzung möglichst über Rüden erfolgen.

Bei der Auswahl der einzukreuzenden Zuchttiere sollte deren genetisches Umfeld, insbesondere in Hinblick auf die Gefahr von Defektgenen, sehr genau beachtet werden. Der optimale Kreuzungspartner ist ein älterer gesunder Rüde mit Nachkommen in seiner eigenen Population. Idealerweise ist der Gesundheitsstatus dieser Nachkommen bekannt und gut dokumentiert.


Die Anpaarung von Großspitzen mit Finnischen/Schwedischen Lapphunden kann unter folgenden Auflagen genehmigt werden.

  • Verpaarungen sind nur möglich zwischen Großspitzen und Schwedischen/Finnischen Lapphunden.
  • Für beide Elterntiere gelten die Zuchtzulassungsbedingungen gemäß der Zuchtordnung des VSNH.
  • Dokumentation des Aussehens der Nachkommen (Beschreibung und Fotos) bei der Wurfabnahme durch den Zuchtwart


2.) Nachkommen aus Verpaarungen von Großspitz mit Finnischen/Schwedischen Lapphund werden in den Papieren als „F1 – Kreuzungszucht Großspitz 50% / Finnischer Lapphund 50% bzw. Schwedischer Lapphund 50 % “ gekennzeichnet und können unter folgenden Auflagen zur Zucht verwendet werden.

 

  • Erfüllung der allgemeinen Zuchtzulassungsbedingungen gemäß der Zuchtordnung des VSNH.
  • Es werden nur konkrete Einzelgenehmigungen für Verpaarungen erteilt, um unter anderem zu verhindern, dass einzelne Rüden in starkem Maße Verwendung finden.
  • F1 Kreuzungstiere sind ausschließlich mit reinrassigen Tieren der Ausgangsrasse (Großspitz) anzupaaren.

 

3.) Nachkommen aus Verpaarungen von Großspitzen mit F1-Kreuzungstieren werden in den Papieren als „R1 - Kreuzungszucht Großspitz 75% / Finnischer Lapphund 25% bzw. Schwedischer Lapphund 25% “ gekennzeichnet und könnten unter folgenden Auflagen  zur Zucht verwendet werden.
 

  • Erfüllung der allgemeinen Zuchtzulassungsbedingungen gemäß der Zuchtordnung des VSNH.
  • Es werden nur konkrete Einzelgenehmigungen für Verpaarungen erteilt, um unter anderem zu verhindern, dass einzelne Rüden in starkem Maße Verwendung finden.
  • R1 Kreuzungstiere sind ausschließlich mit reinrassigen Tieren der Ausgangsrasse (Großspitz) anzupaaren.

 

4.) Nachkommen aus Verpaarungen von Großspitzen mit der 1. Rückkreuzungsgeneration werden in den Papieren als „R2 - Kreuzungszucht Großspitz 87,5% /  Finnischer Lapphund 12,5 % bzw. Schwedischer Lapphund, 12,5% “ gekennzeichnet und könnten unter folgenden Auflagen  zur Zucht verwendet werden.

 

  • Erfüllung der allgemeinen Zuchtzulassungsbedingungen gemäß der Zuchtordnung des VSNH.
  • Es werden nur konkrete Einzelgenehmigungen für Verpaarungen erteilt, um unter anderem zu verhindern, dass einzelne Rüden in starkem Maße   Verwendung finden.
  • R2 Kreuzungstiere sind ausschließlich mit reinrassigen Tieren der Ausgangsrasse (Großspitz) anzupaaren.
     

5.) Nachkommen aus Verpaarungen von Großspitzen mit der 2. Rückkreuzungsgeneration  werden in den Papieren wieder als Großspitze geführt und können ohne gesonderte Auflagen zur Zucht verwendet werden.


Kreuzungsschema:

 
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